Sunday, November 05, 2017

Interreligiöser Rundbrief Nr. 2017-01



Interreligiöser Rundbrief für Bonn und Umgebung Nr. 2017-01 (05.11.2017)


"Die Religion also ist die Beziehung des Geistes zum absoluten Geist."

"So ist die Religion Wissen des göttlichen Geistes von sich durch Vermittlung des endlichen Geistes"[1]


Liebe Leserinnen und Leser,

ich habe doch tatsächlich seit August 2016 keinen interreligiösen Rundbrief mehr geschrieben, worüber sich auch niemand beschwert hat. Vielleicht hat es angesichts der Flut interreligiöser Weiterleitungen auch gar niemand gemerkt oder den Unterschied zwischen beiden Formen eh kaum einer verstanden. Andererseits sind die meisten Mitglieder des Verteilers des interreligiösen Rundbriefes nicht im Verteiler der interreligiösen Weiterleitungen.  Wie auch immer: Zumindest einen sollte ich im Jahre 2017 schreiben und rundschicken. Was Sie dann mit ihm anfangen, ist Ihre Wahl und Verantwortung.

Ich bin ja überhaupt kein Hegelianer, so dass es schon ungewöhnlich ist, dass ich Hegel zitiere. Die Zitate stammen indes aus einem Artikel von Edmund Weber, von dem ich einen Vortrag auf der Tagung der DVRW, also der Deutschen Vereinigung für Religionswissenschaft, im September dieses Jahres in Marburg hörte. Ich habe so meine Verstehensprobleme, sowohl mit Weber, als auch mit Hegel, aber ich hörte neulich in einer Aspekte-Sendung einen weisen Satz: Man solle sich mit Menschen beschäftigen, die anders denken als man selber. Dieser Satz stammt zwar aus einem anderen Zusammenhang, nämlich dem, sich mit „Rechten“ (also politisch Rechten, was ich in Anführungsstriche setzte, weil das Wort „recht“ ja auch eine positive Bedeutung hat, im Sinne von „richtig“, so dass ich Nationalist*innen, nicht gerne als „Rechte“ bezeichne, auch wenn sie im Parlament rechts sitzen) zusammenzusetzen, statt nur über sie zu reden oder gar zu schimpfen. Auf der im Augenblick, da ich dies hier schreibe, noch zukünftigen Bonner Buchmesse Migration werden wir Ali Can als Gast haben, der sich genau dieses zum Motto gemacht hat, indem er ein Sorgentelefon für „besorgte Bürger“ eingerichtet hat, so dass eben solche ihn anrufen und ihre Sorgen mit Ausländer*innen, Andersgläubigen oder sonst wie Fremden ausschütten können. Und er hört zu, wie Momo in Michael Endes gleichnamigem Buch[2], und so kommen sie vielleicht gemeinsam auf bessere Lösungen der Sorgen, als nur Wut und Hass auf die Anderen.[3] Ich hoffe sehr, von ihm einiges lernen zu können.

Nun möchte ich Weber und Hegel, als im Vergleich zu mir Andersdenkenden nicht mit den „Rechten“ oder den „besorgten Bürgern“ auf eine Stufe stellen, sondern nur sagen, dass ihre Denkwege andere sind als die meinen. Aber ich habe auch schonmal Sätze formuliert, die den oben zitierten von Hegel gar nicht so unähnlich sind: "Religion ist die Beziehung des Subjekts zum Absoluten ohne Umweg über das Objektive." Und: "Beten ist ein Selbstgespräch des Absoluten mit sich selbst über den Menschen." Damit lasse ich Sie jetzt mal alleine. Denken Sie darüber nach oder schieben Sie es von sich weg. Ganz wie sie mögen.

Auf besagter DVRW-Tagung kam die Frage auf, warum denn Martin Luther auf der ganzen Tagung gar nicht vorgekommen sei, wo wir uns doch im Lutherjahr befänden. Nun, er kam vor, aber nur unter anderem in irgendeinem der vielen Vorträge. Aber er war nicht Hauptthema und musste es auch gar nicht sein. Die Medien waren schon so voller Luther, dass man schon gar nicht mehr fernsehen oder radiohören konnte, ohne mit Luther konfrontiert zu werden. Irgendwo hieß es dann, 2009 sei ein Calvinjahr gewesen. Haben Sie davon etwas mitbekommen? Ich nicht! Vor zwei Jahren ist es 600 Jahre her, dass Jan Hus in Konstanz verbrannt wurde. Gab es da ein Husjahr? Ich weiß es nicht. Aber klar: Martin Luther ist von den vielen Reformator*innen des westeuropäischen Christentums der erste, der nachhaltigen Erfolg hatte. Wobei dieser nicht sofort 1517 einsetzte, sondern vielleicht gar erst 1962-65, als die Römisch-Katholische Kirche im II. Vatikanischen Konzil nicht weniges von dem, was er gefordert hatte, auch in ihrer Kirche umsetzte, so das Priestertum aller Gläubigen und die Gottesdienste in den Landessprachen. Den Ablasshandel, den Luther in seinen 95 Thesen ja vor allem anprangerte, hat die r.-k. Kirche schon auf dem Konzil von Trient (1545-1563) abgeschafft.

Was aber für so ein Lutherjahr viel wichtiger zu sein scheint, als die wissenschaftliche Frage, wie wichtig genau das Jahr 1517 und der berühmte Thesenanschlag oder seine schon vor dem Anschlag an die Wittenberger Kirchentür erfolge Veröffentlichung in der kirchlichen Korrespondenz war, ist wohl eine psychologische Tatsache: Wir Menschen brauchen Mythen. Und zu solchen Mythen gehören symbolträchtige Handlungen und Ereignisse und die Menschen, die sie vollbrachten. Manche Kritiker*innen sprechen so auch vom Gründungsmythos der Evangelischen Kirche. Luther ist für evangelische Christ*innen, vor allem natürlich für Lutheraner*innen, so wichtig wir Jesus Christus für Christ*innen generell. Das ist eine sehr emotionale Angelegenheit. Und Emotionen sitzen bei uns Menschen viel tiefer als der Intellekt. Luther selber mag noch so sehr ein rationaler Mensch gewesen sein, so war auch sein Denken nicht frei von Mythen. Objekte seines Mythos waren Jesus Christus, die Bibel, der Glaube und die Gnade Gottes. Diese vier waren die Fundamente seiner Theologie. Und er wiederum wurde zum Fundament lutherisch-evangelischer Identität. Das ist nichts Schlimmes, aber man sollte sich dessen bewusst sein, wenn man den Anspruch hat, rational denken zu wollen.

Neulich waren meine Frau und ich eingeladen zu einem anderen Jubiläum: 200 Jahre Geburt von Baha’u’llah, dem Gründer der Bahá’í-Religion. 1817 wurde er also geboren. Bei Manfred Hutter kann man mehr über sein Leben und die Geschichte der von ihm gegründeten Religion lesen.[4] Genau wie bei Luther war sie keineswegs nur glorreich und friedlich. Von den unfriedlichen, ja geradezu fanatischen Seiten der Vor- und Frühgeschichte dieser nachislamischen Religionsgemeinschaft hörte man auf der Geburtstagsfeier freilich nichts, denn es war ja eine Feier und kein wissenschaftliches Symposion. Was man aber beiden Religionen zugutehalten muss: Heute geben sie sich mehrheitlich friedlich, ökumene- und dialogbereit, die Entwicklungen der Gesellschaft teils wohlwollend, teils skeptisch begleitend, als kritisch-integrative Bestandteile der modernen Gesellschaft. Was wäre der interreligiöse Dialog, gerade auch in Bonn, ohne die Beiträge dieser beiden Gemeinschaften?

Somit gratuliere ich also beiden Gemeinschaften zu ihren Jubiläen!

Ebenso gratuliere ich dem liberalen Judentum, dass heuer auch zweihundert Jahre alt wurde. In seiner Folge entstand auch das orthodoxe Judentum als Antithese zum liberalen. Und jetzt fällt es mir schwer, zu gratulieren, denn ich selber bin ein so liberal denkender Gläubiger, dass mir die Existenz derartig rückwärtsgewandter Religionsgemeinschaften, die es in allen Religionen, sofern sie groß genug sind, gibt, irgendwie ein Dorn im Auge ist. Sie geben sich eben nicht oder kaum ökumene- und dialogbereit, sondern exklusivistisch, ausgrenzend, rechthaberisch usw. Na ja, rechthaberisch sind Liberale oft auch. Und rückwärtsgewandt sind Reformer oder Reformatoren ja eigentlich auch, denn sie wollen nichts Neues in die Welt setzen, sondern re(!)formieren, also etwas, das verloren ging, wiederformatieren. Das war mehr oder weniger bei jeder Religionsgründung so: Man wollte das verwässerte, verweltlichte, verkommene oder sonst sie sich in die falsche Richtung entwickelte und verfälschte Original wiederherstellen - modern ausgedrückt: den Resetknopf drücken. Ob Kung Tse, Siddhartha der Buddha, Jesus der Christus oder Muhammad der Rasul’u’llah, alle wollten zurück zu den Quellen, ad fontes, oder zu den Wurzeln, ad radicibus (hoffentlich stimmt mein Latein!). Alle waren sie also radikal oder fundamental. Heute, seit der Aufklärung in Fortschrittsdimensionen denkend, betonen wir lieber das jeweils Neue, das die Religionsgründer brachten. Die Bahá’í, selber schon Kinder des 19. Jahrhunderts, haben den Fortschrittsglauben auch schon mehr verinnerlicht als die älteren Religionen, indem sie betonen, dass Gott in jedem Zeitalter eine neue, not-wendige Offenbarung bringe.

Was natürlich immer bleibt, ist die Tatsache, dass jede Neugründung einer Religionsgemeinschaft, die zumeist nicht als solche geplant war, eine Spaltung einer bestehenden Religionsgemeinschaft mit sich bringt oder zumindest im Konkurrenzkampf mit den bestehenden Gemeinschaften diesen Mitglieder abgeworben werden. Aus der Perspektive der bestehenden älteren Gemeinschaften ist das natürlich bedauerlich, aber aus einer Außenperspektive kann das sogar begrüßt werden, sofern man Vielfalt als positiv bewertet. Im September 2017 bekam ich in Köln den INTR°A-Projektpreis für die Komplementarität der Religionen überreicht.[5] Mit dem Projektgeld werden wir vom IFN her ein Projekt zur Förderung interreligiöser Kompetenz finanzieren. Wenn man von Komplementarität spricht, also von der gegenseitigen Ergänzung, denkt man eine Vielfalt an Angeboten als Voraussetzung. Gäbe es nur eine Religion für alle, könnte niemand diese Religion ergänzen. Etwas platt wäre es aber zu sagen, diese Religion sei für dieses, und jene für jenes zuständig. So einfach ist das nicht. Es hängt eher mit der Passung zwischen dem einzelnen Menschen und einem religiösen Angebot zusammen, ähnlich wie es eine Passung zwischen Patient und Therapie geben muss. Nicht alles ist für jeden gleichermaßen gut. Und bisweilen muss man auch eine Therapie oder eben Religion individuell zusammenstellen, damit sie passt.

Wenn Sie sich mehr oder weniger neutral über die Vielfalt der Religionen in Deutschland informieren wollen, empfehle ich das Handbuch der Religionen in Deutschland, zu dessen Team ich neuerdings auch gehöre. Es ist kein einzelnes Buch, sondern eine Reihe von Aktenordnern, in die mehrmals jährlich neu veröffentlichte Ergänzungslieferungen eingeheftet werden. Es erscheint in der Mediengruppe Oberfranken. Schauen Sie mal in deren Website.[6]

Wenn ich nun aber Probleme mit den rückwärtsgewandten, restaurativen oder konservativen Religionsgemeinschaften habe, sollte ich überdenken, was ihre Anhänger*innen denn antreibt und was sie an den Liberalen oder Progressiven denn stört, was sie an ihnen kritisieren. Und schon bin ich wieder bei dem Vorschlag, mich mit Andersdenkenden zusammensetzen zu sollen. Ja, das ist meines Erachtens die Hauptherausforderung des interreligiösen Dialoges heute: Nicht nur der Dialog zwischen Menschen verschiedener Religionszugehörigkeit, sondern der zwischen Menschen mit verschiedenen Geisteshaltungen, zwischen denen, die ihrer Zeit voraus sind und denen, denen die Entwicklungen viel zu schnell oder gar gänzlich in die falsche Richtung gehen. Das ist heute eine globale Herausforderung.

Zudem hatten wir dieses Jahr bei den GEBETen der Religionen in Bonn seit einigen Jahren erstmals wieder eine jüdische Beteiligung, und das, obwohl die unierte jüdische Synagogengemeinde Bonns viele orthodoxe Mitglieder hat. Die Grenzen zwischen den Vertreter*innen verschiedener Geisteshaltungen, sollte man also auch nicht ideologisch zementieren. Letztlich bleibt bei mir der Wunsch, die Religionsgemeinschaften, die zugleich zumindest im Ansatz verschiedene Geisteshaltungen vertreten, mögen ins Gespräch miteinander kommen und das über dem Trennenden Verbindende suchen. So waren meine Frau und ich neulich am Reformationstag auf einem Fest, zu dem die r.-k. Steyler Missionare in Sankt Augustin den ev. Kirchenkreis an Sieg und Rhein eingeladen hatten. Dort erlebten wir eine Harmonie sondergleichen, ein Zusammengehörigkeitsgefühl der Christ*innen, die, wie der christliche Theologe Georg Schwikart es nennt, in zwei Zimmern desselben Hauses leben. Das wünsche ich mir auch interreligiös und auch mit Menschen, die keiner Religionsgemeinschaft angehören.

Soll ich noch über den Klimawandel schreiben? Ja, aber nur als Zitat einer Bandarole, die ich neulich bei einer jungen, barfußgehenden Frau im Siegburger Bahnhof las, die wohl auf dem Weg zu der Jugend-Klimakonferenz war, und mit diesem Zitat möchte ich schließen:

No climate change! Habit change!
Kein Klimawandel! Verhaltensänderung!

Herzliche Grüße!
Ihr/Euer Michael A. Schmiedel

Interreligiöser Rundbrief für Bonn und Umgebung:
http://interreligioeser-rundbrief.blogspot.de/
Interreligiöses Friedensnetzwerk für Bonn und Region:
https://ifn-bonnregion.jimdo.com/







    





[1] Georg Friedrich Wilhelm Hegel. Vorlesung über die Philosophie der Religion I, Frankfurt a.M. 1969, S. 197 und 198, hier zitiert nach: Edmund Weber. G.W.F. Hegels und Rudolf Ottos Kritik des Empirismus in der Religionswissenschaft. In: Wolfgang Gantke, Vladislav Serikov (Hrsg.). 100 Jahre „Das Heilige“. Beiträge zu Rudolf Ottos Grundlagenwerk = Wilhelm Ludwig Federlin, Edmund Weber und Vladislav Serikov. THEION Studien zur Religionskultur/Studies in Religious Culture, Bd. 32, Frankfurt a.M. (Peter Lang) 2017.
[2] Vgl. Michael Ende. Momo. Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte. Stuttgart (Thienemann) 1973.
[3] Vgl. die Ankündigung auf der IFN-Website:  https://ifn-bonnregion.jimdo.com/ (geöffnet am 05.11.2017).
[4] Vgl. Manfred Hutter. Handbuch Bahá‘í. Geschichte, Theologie, Gesellschaftsbezug. Stuttgart  (Kohlhammer) 2009.
[5] Vgl. dazu den Bericht auf der INTR°A-Website: https://web-intra.blogspot.de/2017/09/intra-projektpreis-verleihung-2017-in.html (geöffnet am 05.11.2017).
[6] Vgl. die Anzeigen für das Handbuch der Religionen auf der Website der Mediengruppe Oberfranken: https://bildung.mgo-fachverlage.de/religionswissenschaft.html (Papierversion), https://www.edidact.de/navigation_top_/Handbuch_Religionen/index.htm (Online-Version) und den Wikipedia-Artikelüber das Handbuch der Religionen: https://de.wikipedia.org/wiki/Handbuch_der_Religionen (alle Seiten geöffnet am 05.11.2017).

Thursday, August 18, 2016

Interreligiöser Rundbrief Nr. 2016-04


Interreligiöser Rundbrief für Bonn und Umgebung Nr. 2016-04 (18.08.2016)


Man kann Gott nicht besser finden als dort, wo man ihn lässt.

Nimm Dich selber wahr, und wo Du Dich findest, da lass Dich.

Der Mensch lasse zuerst sich selbst, dann hat er alles gelassen.
                                                                                                                  Meister Eckhart[1]
Liebe Leserinnen und Leser,

ich habe jetzt eigentlich nur zwei Sachen für Euch, nämlich
1. eine öffentliche Erklärung des neuen Interreligiösen Friedensnetzwerkes für Bonn und Region (nebst ein paar Gedanken dazu von mir) und 
2. Rückmeldungen zu meiner Umfrage im letzten interrel. Rundbrief.

1.
Nicht mit uns! Wir halten zusammen!
Erklärung des IFN nach dem Attentat in Nizza am 14.07.2016
Nach dem abermaligen Anschlag in Frankreich, dessen ideologische Hintergründe noch nicht ganz klar sind, sagte Elma Theveßen, Sicherheitsexperte im ZDF, dass eines der Hauptziele des sogenannten IS, das er mit vielen individuellen Anschlägen verfolge, sei, einen Keil in die europäische Gesellschaft zu treiben, indem er die antiislamische Stimmung schüren und so Feindschaft zwischen Muslimen und Nichtmuslimen säe.

Nicht mit uns! Wir halten zusammen!
Menschen gleich welcher Religion und Herkunft bilden eine gemeinsame Gesellschaft. Wir halten zusammen, Muslime, Christen, Buddhisten, Atheisten und so weiter, gegen Terrorismus und Hass, gleich aus welcher Weltanschauung heraus, für den Frieden, für Gerechtigkeit, für die Liebe!
(17.07.2016)
http://ifn-bonnregion.jimdo.com/erkl%C3%A4rungen/

+

Ein paar Gedanken von mir:

Diese Erklärung ist jetzt auch schon wieder einen Monat alt, und seitdem gab es noch mehr Anschläge in verschiedenen Ländern Europas, Asiens und Afrikas. Man kann sie kaum noch zählen. Und für alle diese Anschläge gilt die obige Erklärung, also nicht nur für den in Nizza.

Ich merkte es auch neulich in einer Diskussion im Internet. Ein Diskussionsgegner meinte, Islam führe unausweichlich zum Islamismus. Und dieser sei natürlich unweigerlich terroristisch. Folglich seien dann also alle Muslime latente Terroristen. Keine Differenzierung, weder nach islamischen Richtungen, noch nach Menschen mit ihren je eigenen Interpretationen von Koran, Sunna und Islam überhaupt und nach ihren jeweiligen Lebensumständen. Ich habe dabei den Verdacht, dass solche Menschen das gar nicht böse meinen, sondern der Auffassung sind, mit ihrer Meinung die Realität abzubilden. Sie denken wahrscheinlich angstgesteuert, aus Angst vor den Terroristen eben, die zudem aus einer fremden Kultur stammen. Die gleiche Angst haben diese Menschen oft vor Flüchtlingen, denen sie unterstellen, den Terror oder Krankheiten oder einfach nur den Herrschaftsanspruch ihrer Lebensweise nach Europa zu bringen. Neulich kam im Fernsehen ein Film über das Pogrom gegen die Juden in Erfurt 1349.[2] Auch die Menschen, die damals dem Erfurter Judentum das Ende bereiteten waren angstgesteuert. Es war vor allem die Angst vor der Pest, verbunden mit wirtschaftlichen Unsicherheiten. Da hatte man in den Juden willkommene Sündenböcke. So weit sind wir in Europa noch nicht. Und es darf auch nicht so weit kommen. Die Terroristen, die sich auf den Islam berufen, wollen ja genau das: Pogrome gegen Muslime. Käme es so weit, würden sie sicher Zulauf bekommen von bislang unentschlossenen Muslimen, so wie in der Türkei Herr Erdoğan durch den Putschversuch Zulauf bekam. Extreme Aktionen fördern extreme Antworten.

Deshalb ist es so wichtig, zusammenzuhalten! Muslime sind genau so wenig latente Terroristen, wie Deutsche oder Türken latente Nationalisten sind. Jeder Mensch kann durch Ideologien geködert werden, und dies umso leichter, je mehr er darin den einzigen Ausweg aus einer unangenehmen oder auch untragbaren Situation sieht. Im Fernsehen schrie eine Erdoğan-Anhängerin: „Wir sind keine Kümmeltürken mehr!“[3] Ja, wer die Erfahrung macht, aufgrund seiner türkischen Identität immer angefeindet oder beleidigt zu werden, geht leicht einem Demagogen auf den Leim, der verspricht, die Ehre des Türkentums wieder herzustellen. So was hatten wir Deutsche auch schon mal. Und so geht es Muslimen, die ihrer religiösen Identität wegen beleidigt werden, und Christen und Deutschen und Juden und Polen und Russen oder wem auch immer. Menschen sind Menschen und brauchen Respekt! Wer keinen Respekt erfährt, wird leicht fanatisch und extremistisch und mitunter auch gewalttätig. Deswegen wollen solche extremen Parteien auch gerade dieses Gefühl in den Menschen hervorrufen: „Ihr werdet nicht respektiert! Ihr werdet beleidigt, bedroht und seid in Gefahr, verloren zu gehen. Wir ändern das! Aber wir brauchen Euch dazu!“ Die Feinde, ob nun die islamische, die jüdische, die christliche, die westliche oder sonst irgendeine Weltverschwörung, sind schnell ausgemacht und an den Pranger gestellt. Und einstige Kampfgefährten, die zu einer Konkurrenz geworden sind und sich nicht unterordnen wollen, werden gleichermaßen zu Feinden erklärt, heißen sie Trotzki, Röhm oder Gülen. Man verzeihe mir hinkende Vergleiche, aber es gibt eben nur Ähnlichkeiten, keine Wiederholungen in der Geschichte.  

Deswegen sagen wir im IFN: Nicht mit uns!

Wir lassen uns nicht auseinander dividieren und aufeinander hetzten! Wir sind eine Gesellschaft, die in sich pluralistisch ist und sein soll. Wir stehen zum Grundgesetz und zu den Menschenrechten. Wir respektieren einander in unseren Unterschieden und finden doch immer wieder genug Gemeinsamkeiten, um einander zu verstehen. Unser Demokratieverständnis umfasst auch den Schutz von Minderheiten. Die Schwachen brauchen die Starken, die Wenigen die Vielen. Ohne das funktioniert keine Demokratie, sondern wird zur Diktatur der Mehrheit.

Jetzt habe ich schon wieder mehr geschrieben als ich wollte, und es gibt noch den zweiten Teil:

2.
Rückmeldungen auf meine Frage vom letzten Rundbrief, ob der interrel. Rundbrief gefalle oder nicht und was zu verbessern wäre.
Es waren nicht viele, eigentlich nur vier, Rückmeldungen, und ich gebe sie hier mal der Reihe nach wieder:
2.1.
Ist ja super! Tolle Arbeit, ich wünsche mir Unterhaltung, Bildung, Informationen.
Eine Form von Magazin mit Tiefgang.
Vernetzung ist ein "artig Ding", ohne geht nichts mehr.
Grüsse
Marga

Rückfrage von mir:
Tja, und bietet der IRB das, was Du wünschst, liebe Marga?

Antwort:
Ich denke nach, bin gerade im Seminar. Bis jetzt war ich bestens informiert-bis bald
Marga

(Von Margarete Rettkowski-Felten, Künstlerin in Köln)

2.2.
Lieber Michael, -
dass es den Interreligiösen Rundbrief gibt, finde ich sehr gut. -
Da ich ja  meine mails  aus technischen Gründen auswärts empfange , kann ich selbst den Rundbrief  immer nur "überfliegen", bekomme so aber immer wieder mal  wertvolle Veranstaltungstipps. -
Herzlich
Jochen     -   die interkulturelle,  interkonfessionelle und interreligiöse Zusammenarbeit wird, meine ich, immer wichtiger, gerade weil die Tendenzen in der "Gegenrichtung " leider nicht schwächer werden, im Gegenteil, wie wir alle ständig und jetzt ganz aktuell mitbekommen...  –

(Jochen Bertram, regelmäßiger Teilnehmer beim interrel. Gesprächskreis in Bonn)

2.3.
well, i always enjoy reading your interreiligiöser rundbrief … but maybe that’s because, as a baha’i, i like to learn about other faiths in the same way i like, as a musician, to learn about other music and cultures.  your letter is a fine instrument in this direction and one of the few ecumenical offerings that actually takes my own religion seriously.

Ich übersetze mal:
Gut, ich genieße es immer, Deinen interreligiösen Rundbrief zu lesen. Aber vielleicht ist es auch, als ein Bahá’í liebe ich es über andere Glauben auf dieselbe Weise zu lernen wie als Musiker, etwas über andere Musik und Kulturen zu lernen. Dein Brief ist ein feines Instrument in dieser Richtung und eine der wenigen ökumenischen Angebote, die sogar meine eigene Religion ernst nehmen.

(Hugh Featherstone, englischer Musiker in Deutschland und Belgien, Sänger der Lokal Heroes in Bonn)

2.4.
Lieber Michael,
vielen Dank für den Rundbrief! Zu dessen Gestaltung kann ich leider nichts sagen, lese ich ihn doch zum ersten Mal!
Kleine Anmerkung zu dem Zitat "Ina Wunn. Patrick Urban Konstantin Klein...": Dazu bitte  lesen: "Der Appell des Dalai Lama an die Welt" (Ethik ist wichtiger als Religion), mit Franz Alt, 2015, Benevento, 4,99€.

Bis später mal, alles Gute und herzliche Grüße
Sabine v.K.
Bonn Buddhist Association
Bad Godesberg+++

(hat sich selbst vorgestellt)

Der Leser, der meine Frage ausgelöst hat, hat mir inzwischen mitgeteilt, dass der Rundbrief ihm eigentlich zu religiös sei oder zu wissenschaftlich oder einfach zu kompliziert und zu lang. Er ist aber, das muss ich zugeben, auch nur aufgrund seiner persönlichen Nähe zu mir im Verteiler, nicht aus eigenem Interesse. Ich habe aber eben den Anspruch, meine Ideen, An- und Einsichten weit zu streuen, da ich ja meine, da sie nicht ganz wertlos und unwichtig sind. Und immerhin sagte er nicht, ich solle ihn aus dem Verteiler nehmen!

Ich schaue mal, wie ich den Rundbrief noch anschaulicher gestalten kann, zum Beispiel mit einer Zusammenfassung am Anfang. Weiterhin habe ich ein offenes Ohr oder Auge für konstruktive Vorschläge.

Und noch ein Zitat:
Ein religiöser Mensch darf keine Ziele haben. Er muss absichtslos handeln.
Franz Meurer, röm.-kath. Priester in Köln[4]

Herzliche Grüße,
Ihr/Euer Michael A. Schmiedel

[1] 3 Zitate von Meister Eckhart. Die ersten beiden sind vor der Predigerkirche in Erfurt (www.predigerkirche.de) in den Boden gelassen, das dritte ist zitiert nach: Aphorismus, Zitate, Sprüche und Gedichte, www.aphorismen.de/zitat/16008 (geöffnet am 14.8.2016).
[2] Vgl. den Film Die Pest, die Angst und der Schatz von Erfurt von Gabriele Rose im MDR http://www.mdr.de/tv/programm/sendung671714_date-2016-08-07_ipgctx-true_zc-b376bd7b.html (geöffnet am 14.8.2016).
[3] So gehört in einer Nachrichtensendung im ARD oder ZDF im Rahmen der Berichterstattung über die Pro-Erdoğan-Demonstration in Köln am 31.7.2016.
[4] So gehört am 12.8.2016 vormittags in einer WDR-5-Radiosendung über die Bedeutung des Christentums in unserer Gesellschaft: http://www.deutschlandfunk.de/christlicher-glaube-welche-rolle-spielt-religion-heute.1176.de.html?dram:article_id=362666 (geöffnet am 1.9.2016). Wer Franz Meurer nicht kennt, lese den Wikipedia-Artikel über ihn https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Meurer (geöffnet am 14.8.2016)


Friday, June 24, 2016

Interreligiöser Rundbrief Nr. 2016-03



Interreligiöser Rundbrief für Bonn und Umgebung Nr. 2016-03 (24.06.2016)
„Warne … die Geliebten des einen wahren Gottes davor, die Reden und Schriften der Menschen mit einem zu kritischen Auge zu betrachten. Sie sollen sich diesen Reden und Schriften lieber im Geiste der Aufgeschlossenheit und liebevollen Wohlgesonnenheit zuwenden.“
Bahá‘u‘lláh[1]

Liebe Leser*innen,
neulich sagte mir ein mir sehr nahe stehender Empfänger der interreligiösen Rundbriefe, diese lese er gar nicht gerne, denn sie seien ihm zu wissenschaftlich. Das erinnert mich daran, dass ich in den 1990ern mal einen Artikel für die Lotusblätter, schrieb, wie die Zeitschrift der Deutschen Buddhistischen Union, die heutige Buddhismus aktuell, damals hieß und dazu zwei ganz unterschiedliche Rückmeldungen erhielt: Einer Leserin war er zu schwer verständlich, während ein Leser ihn als schön leicht verständlich beurteilte. Die Leserin hatte nun weder mit Religionswissenschaft, noch mit Buddhismus zu tun, während der Leser ein Religionswissenschaftler war. Insofern ist es natürlich leicht verständlich, wie es zu diesen unterschiedlichen Urteilen kam. Ich finde es aber auch sehr schwer, so zu schreiben, dass der Text weder zu wissenschaftlich, noch zu unwissenschaftlich wird, so dass ihn Fachleute und Nichtfachleute, die ja zumeist Fachleute auf anderen Gebieten sind, verstehen können und gerne lesen. Besagter Leser, dem meine Texte zu wissenschaftlich sind, schickt mir manchmal detaillierte technische Erklärungen zum Beispiel zu Fotoapparaten, dass ich nur so mit den Ohren schlackere.

Nun möchte ich Euch/Sie (ich bleibe künftig mal beim „Euch“ und „Ihr“), liebe Leser*innen, um Hilfe bitten, indem Ihr mir mitteilt, was Euch an den interreligiösen Rundbriefen gefällt und was nicht. Ich werde es nie allen recht machen können, denen, die am liebsten klare religiöse Bekenntnisse und Positionen, denen, die am liebsten beschauliche, spannende oder lustige Geschichten, denen, die am liebsten Daten und Fakten, denen, die am liebsten tiefgründige philosophische Reflexionen, denen, die am liebsten eine große wissenschaftliche Distanz zu religiösen Wahrheitsaussagen und denen, die sonst irgendwie speziell gestaltete Texte lesen möchten, aber ich kann zumindest darüber nachdenken und sehen, was sich machen lässt. Ansonsten bitte ich um eine Lektüre „im Geiste der Aufgeschlossenheit und liebevollen Wohlgesonnenheit“, wie es im oben angeführten Zitat empfohlen wird.

Mein Ziel ist es schon, nicht oberflächlich daher zu plätschern, sondern gründliches Nachdenken zu praktizieren, mein Fach, die Religionswissenschaft, mit einzubeziehen, aber die Grenzen zu Theologie und Philosophie als Orientierungswissenschaften auch hier und da zu überschreiten und dabei das alles so verständlich wie möglich zu schreiben. Mein Opa würde sagen: „Ich rede, wie mir der Schnabel gewachsen ist“, wobei er das auf Vallerer Platt, also der Vallendarer Version des Moselfränkischen zu sagen pflegte. Eigentlich tue ich nichts anderes, wenn ich schreibe, auch wenn mein Schnabel leider zu wenig moselfränkisch und zu sehr standarddeutsch gewachsen ist, aber das Wichtigste ist, verständlich zu sein, sonst kann ich auch für die Schublade schreiben. Ich bitte also um konstruktiv-kritische Rückmeldungen.     

Jetzt möchte ich mal von zwei erfreulichen Dingen berichten, also nicht von Terrorismus, Radikalismus und so weiter. Ich bin ja ein großer Freund von Vernetzungen, und von zwei neuen Netzwerken in Bonn darf ich erzählen, nämlich zum einen vom Interreligiösen Friedensnetzwerk Bonn und Region (IFN) und vom Netzwerk Buddhismus in Bonn.

Das Interreligiösen Friedensnetzwerk Bonn und Region (IFN) hat sich nach einiger Vorgeschichte am 7.3.2016 konstituiert. Die Idee geht auf das Jahr 2013 zurück, als im Rahmen der Bonner Buchmesse Migration ein interreligiöses Podiumsgespräch stattfand und gleichzeitig der Arbeitskreis Muslime und Christen im Bonner Norden (AK MuChri) sein zehnjähriges Bestehen feierte und nicht wenige Interessierte sich entscheiden mussten, wo sie denn hingehen sollten oder sich zeitlich auf beides aufteilten. Ich dachte mir, es sei doch besser, wenn die interreligiösen Akteure in Bonn voneinander wüssten, wann wer was vorhat, so dass man einen neuen Termin nicht auf den Tag legt, an dem mit gleicher Zielgruppe schon etwas stattfindet. Im Grunde war die Idee schon etwas älter, ich hatte sie 2012 schon mal im Bonner Institut für Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen (BIM) vorgestellt, aber nach diesem Erlebnis war die Dringlichkeit deutlich. Also versuchte ich, die interreligiös tätigen Organisationen davon zu überzeugen, sich miteinander zu vernetzen, damit Terminüberschneidungen künftig möglichst vermieden werden. Gedacht, getan – gewartet. Meine Idee stieß zunächst auf verhaltendes Gegeninteresse, ich wartete auf eine Einladung, sie vorstellen zu können, und so verging nochmal über ein Jahr, ohne dass sich was tat. Anfang 2015 kam David Clement auf mich zu. Er ist auch Religionswissenschaftler, sowie Pädagoge und Gründungsmitglied des ANQA – Vereins für Transkulturelle Bildung e.V. Er hatte unabhängig von mir eine ganz ähnliche Idee, dachte aber nicht nur an eine Vermeidung von Terminüberschneidungen, sondern durchaus an eine engere Zusammenarbeit der interreligiösen Akteure. Also trafen wir uns zusammen mit Hossein Pur-Khassalian, Aziz Fooladvand und Gregor Sattler, besprachen die Idee weiter und beschlossen, auf keine Einladung mehr zu warten, sondern unsererseits einzuladen. Und siehe da: Am 6.3.2016 kamen Vetreter*innen von 17 interreligiös tätigen Initiativen und Organisationen oder ließen sich zumindest entschuldigen, zeigten aber Interesse. Ein zuvor geschriebenes Leitbild wurde besprochen und in den anschließenden Wochen noch überarbeitet und per E-Mail diskutiert. Letztlich waren es doch noch nicht alle 17, aber immerhin 14, die das Leitbild unterzeichneten. Die anderen drei sind noch in internen Beratungen. David Clement hatte auch ein Content-Management-System aufgetan, mit dem wir ohne großen Aufwand eine Internetseite kreieren und ins Netz stellen konnten. Und so ist die Idee eines Netzwerkes der interreligiösen Akteure in Bonn und Umgebung endlich realisiert. Weitere Informationen entnehmt bitte der Website http://ifn-bonnregion.jimdo.com/ und/oder kommt zu unserem Vorstellungstermin am 29.9.2016, um 19 Uhr im MIGRApolis-Haus der Vielfalt in Bonn.

Das Netzwerk Buddhismus in Bonn hat eine viel längere Vorgeschichte. Im Jahr 2000 stellte ich meine Magisterarbeit „Buddhismus in Bonn. Empirische Studie über buddhistisch orientierte Gemeinschaften in Bonn“ fertig und hatte dabei die Idee, einmal Vertreter*innen aller in der Studie erforschten 14 Gemeinschaften zu einem Treffen einzuladen. Das tat ich dann auch am 27.9.1999 im damaligen Shambhala-Zentrum. Es leisteten aber nur sieben Gruppen der Einladung folge, deren eine, die Zen-Gruppe, in der ich damals selber praktizierte, ich sogar selbst vertrat, weil sich sonst niemand dafür interessierte. Das Treffen war nett und interessant, aber weiteres ergab sich daraus nicht. Werner Wiegmann startete dann auch zweimal einen ähnlichen Versuch ohne bleibende Folgen. 2014 kam Barbelies Wiegmann, Zen-Praktizierende in der Gruppe ihres Mannes Werner Wiegmann, auf mich zu und fragte, ob ich noch Adressen von meiner Magisterarbeit hätte und sie dabei unterstützen würde, einmal Vertreter*innen aller buddhistischen Gruppen einzuladen, um diese miteinander bekannt zu machen und zu vernetzen. Da war ich sofort dabei, gab ihr die Adressen, wir recherchierten nach Adressen neu hinzu gekommener Gruppen, derweil es auch einige der damaligen nicht mehr gibt, und die Einladung ging raus. Und tatsächlich kamen Mitglieder von elf Gruppen am 9.4.2016 im MIGRApolis-Haus zusammen. Einige kannten einander, andere waren sich fremd, einige schienen einander sogar exotisch zu sein, was angesichts der Vielfalt der Traditionsanbindungen und Praktiken auch kein Wunder ist. Theravada-, Zen-, Nichiren- und Vajrayana-Buddhismus haben bisweilen nur den Bezug zum historischen Buddha Siddhartha Gautama gemeinsam, interpretieren diesen aber recht unterschiedlich. Aber die Chemie stimmte, man interessierte sich für einander und begeisterte sich für Barbelies Wiegmanns Idee, den Buddhismus gemeinsam in der Bundesstadt präsenter und bekannter zu machen. Verabredet wurde ein gemeinsamer Web-Auftritt, den ich inzwischen auf MIGRApolis realisiert habe (http://www.migrapolis-deutschland.de/index.php?id=2795&L=%25252523c2294), Filmabende in Kinos mit buddhistischen Filmen und 2017 eine gemeinsame Vesakh-Feier oder ein Sommerfest. Das Netzwerk hat übrigens noch gar keinen offiziell vereinbarten Namen, so dass Netzwerk Buddhismus in Bonn quasi ein Arbeitstitel ist, der sich auch noch ändern kann.

Manche Dinge brauchen eben einen längeren Vorlauf und einen langen Atem und demzufolge die richtige Mischung aus Zielstrebigkeit und Gleichmut, dann kann was aus ihnen werden!       

Diese beiden Geschichten sollen einmal zeigen, dass Religionen und religiöse oder spirituelle Menschen nicht nur Grund zu Sorge bieten, dass von Ihnen nicht nur Rechthaberei und Feindschaft ausgehen, wie die Nachrichten einen manchmal glauben lassen, sondern dass sie auch aufeinander zugehen, einander respektieren und gemeinsam auf friedlichem Wege Gesellschaft mitgestalten können. Was aus den beiden Netzwerken in Zukunft wird, wird sich zeigen. Es hängt von uns ab, den Mitgliedern der Netzwerke, aber auch allen anderen Menschen in unserer gemeinsamen Gesellschaft.
 

Vor dem Abschlusszitat habe ich noch eine Nachricht: Dr. Hıdır Çelik bekam am 22.6.2016 das Bundesverdienstkreuz am Bande überreicht. Mehr dazu hier: http://www.migrapolis-deutschland.de/index.php?id=2796  Ich gratuliere von Herzen!


Und noch ein Zitat:
„Religion, egal welcher Couleur, ist ein Auslaufmodell – da war sich das 20. Jahrhundert ganz sicher. Vor allem der Fortschritt der Naturwissenschaften mit der Evolutionsbiologie an vorderster Stelle hatte Gott nicht nur entthront und obsolet gemacht, sondern ließ Religion als geradezu unsinnig erscheinen. Nicht anders dachten die Sozialwissenschaften, die davon ausgingen, dass Religion sich gegenüber der Wissenschaft nicht würde behaupten können und daher über kurz oder lang bis zur Bedeutungslosigkeit verblassen würde. Die tatsächlichen Entwicklungen gerade in den letzten Jahrzehnten zeigte jedoch völlig überraschend, dass Religion eine Renaissance erlebte und zu einem entscheidenden sozialen und politischen Faktor wurde, und dies allen modernen Erkenntnisfortschritten und allen rationalen Argumenten der Religionskritik zum Trotz.“[2]

In diesem Sinne, lasst uns zukunfts- und transzendenzoffen bleiben!

Herzliche Grüße aus Siegburg am Johannistag 2016.
Euer Michael A. Schmiedel


[1] Bahá’u’lláh. Ährenlese 34:6, hier zitiert nach: Internationale Bahá’í-Gemeinde. Büro für Öffentlichkeitsarbeit. New York. Bahá’u’lláh. Eine Einführung. Hofheim-Langenhain (Bahá’í-Verlag), 4. Aufl. 1997, S. 43.
2 Ina Wunn. Patrick Urban Constantin Klein. Gott Gene Genesis. Die Biologie der Religionsentstehung. Berlin Heidelberg (Springer) 2015, S. V.

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heutige Musikempfehlungen:
Nolwenn Leroy chante le Bro gozh ma zadoù au stade de France avant la finale Rennes-Guinguamp
https://www.youtube.com/watch?v=DzckoZ3v_gQ
Flook & Crosswind - 'Branohm / Trip To Herve's'
https://www.youtube.com/watch?v=2YGOZYN015Q
OUM TARAGALTE - (Soul Of Morocco) Official Video
https://www.youtube.com/watch?v=297klwcKKmI



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Dr. Michael A. Schmiedel
Altere Texte (Auswahl):






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Lust auf mehr Musik?
Samy Deluxe - Haus am Mehr
https://www.youtube.com/watch?v=Ws--wNaa-NQ 
Cassard - Wie schön blüht uns der Maien
https://www.youtube.com/watch?v=f49Dqye9RoU
Hüsch! - Songs Of Heimat

https://www.youtube.com/watch?v=DfZYoRaAO_s
Hot Griselda - The Empress' new clothes

https://www.youtube.com/watch?v=2JLlf2PvqJA
Akkordeonale 2016
http://www.akkordeonale.de/programm/programm-2016/
Marcel Adam - De Oschderhaas
https://www.youtube.com/watch?v=e5nn_ocah30
L'alba - " sta mane "
https://www.youtube.com/watch?v=E9Ote3hejqU
Lisa Jên (9Bach) - Lliwiau
https://www.youtube.com/watch?v=vA6kqH-bTuE
Blowzabella - recording in France 2013
https://www.youtube.com/watch?v=YhfrhJWR_AE
Irish Spring 2016 - Festival of Irish Folk Music TOUR – Preview
https://www.youtube.com/watch?v=zWZck_s1I4E






[1] Bahá’u’llah. Ährenlese 34:6, hier zitiert nach: Internationale Bahá’í-Gemeinde. Büro für Öffentlichkeitsarbeit. New York. Bahá’u’lláh. Eine Einführung. Hofheim-Langenhain (Bahá’í-Verlag), 4. Aufl. 1997, S. 43.
[2] Ina Wunn. Patrick Urban Constantin Klein. Gott Gene Genesis. Die Biologie der Religionsentstehung. Berlin Heidelberg (Springer) 2015, S. V.