Thursday, August 18, 2016

Interreligiöser Rundbrief Nr. 2016-04


Interreligiöser Rundbrief für Bonn und Umgebung Nr. 2016-04 (18.08.2016)


Man kann Gott nicht besser finden als dort, wo man ihn lässt.

Nimm Dich selber wahr, und wo Du Dich findest, da lass Dich.

Der Mensch lasse zuerst sich selbst, dann hat er alles gelassen.
                                                                                                                  Meister Eckhart[1]
Liebe Leserinnen und Leser,

ich habe jetzt eigentlich nur zwei Sachen für Euch, nämlich
1. eine öffentliche Erklärung des neuen Interreligiösen Friedensnetzwerkes für Bonn und Region (nebst ein paar Gedanken dazu von mir) und 
2. Rückmeldungen zu meiner Umfrage im letzten interrel. Rundbrief.

1.
Nicht mit uns! Wir halten zusammen!
Erklärung des IFN nach dem Attentat in Nizza am 14.07.2016
Nach dem abermaligen Anschlag in Frankreich, dessen ideologische Hintergründe noch nicht ganz klar sind, sagte Elma Theveßen, Sicherheitsexperte im ZDF, dass eines der Hauptziele des sogenannten IS, das er mit vielen individuellen Anschlägen verfolge, sei, einen Keil in die europäische Gesellschaft zu treiben, indem er die antiislamische Stimmung schüren und so Feindschaft zwischen Muslimen und Nichtmuslimen säe.

Nicht mit uns! Wir halten zusammen!
Menschen gleich welcher Religion und Herkunft bilden eine gemeinsame Gesellschaft. Wir halten zusammen, Muslime, Christen, Buddhisten, Atheisten und so weiter, gegen Terrorismus und Hass, gleich aus welcher Weltanschauung heraus, für den Frieden, für Gerechtigkeit, für die Liebe!
(17.07.2016)
http://ifn-bonnregion.jimdo.com/erkl%C3%A4rungen/

+

Ein paar Gedanken von mir:

Diese Erklärung ist jetzt auch schon wieder einen Monat alt, und seitdem gab es noch mehr Anschläge in verschiedenen Ländern Europas, Asiens und Afrikas. Man kann sie kaum noch zählen. Und für alle diese Anschläge gilt die obige Erklärung, also nicht nur für den in Nizza.

Ich merkte es auch neulich in einer Diskussion im Internet. Ein Diskussionsgegner meinte, Islam führe unausweichlich zum Islamismus. Und dieser sei natürlich unweigerlich terroristisch. Folglich seien dann also alle Muslime latente Terroristen. Keine Differenzierung, weder nach islamischen Richtungen, noch nach Menschen mit ihren je eigenen Interpretationen von Koran, Sunna und Islam überhaupt und nach ihren jeweiligen Lebensumständen. Ich habe dabei den Verdacht, dass solche Menschen das gar nicht böse meinen, sondern der Auffassung sind, mit ihrer Meinung die Realität abzubilden. Sie denken wahrscheinlich angstgesteuert, aus Angst vor den Terroristen eben, die zudem aus einer fremden Kultur stammen. Die gleiche Angst haben diese Menschen oft vor Flüchtlingen, denen sie unterstellen, den Terror oder Krankheiten oder einfach nur den Herrschaftsanspruch ihrer Lebensweise nach Europa zu bringen. Neulich kam im Fernsehen ein Film über das Pogrom gegen die Juden in Erfurt 1349.[2] Auch die Menschen, die damals dem Erfurter Judentum das Ende bereiteten waren angstgesteuert. Es war vor allem die Angst vor der Pest, verbunden mit wirtschaftlichen Unsicherheiten. Da hatte man in den Juden willkommene Sündenböcke. So weit sind wir in Europa noch nicht. Und es darf auch nicht so weit kommen. Die Terroristen, die sich auf den Islam berufen, wollen ja genau das: Pogrome gegen Muslime. Käme es so weit, würden sie sicher Zulauf bekommen von bislang unentschlossenen Muslimen, so wie in der Türkei Herr Erdoğan durch den Putschversuch Zulauf bekam. Extreme Aktionen fördern extreme Antworten.

Deshalb ist es so wichtig, zusammenzuhalten! Muslime sind genau so wenig latente Terroristen, wie Deutsche oder Türken latente Nationalisten sind. Jeder Mensch kann durch Ideologien geködert werden, und dies umso leichter, je mehr er darin den einzigen Ausweg aus einer unangenehmen oder auch untragbaren Situation sieht. Im Fernsehen schrie eine Erdoğan-Anhängerin: „Wir sind keine Kümmeltürken mehr!“[3] Ja, wer die Erfahrung macht, aufgrund seiner türkischen Identität immer angefeindet oder beleidigt zu werden, geht leicht einem Demagogen auf den Leim, der verspricht, die Ehre des Türkentums wieder herzustellen. So was hatten wir Deutsche auch schon mal. Und so geht es Muslimen, die ihrer religiösen Identität wegen beleidigt werden, und Christen und Deutschen und Juden und Polen und Russen oder wem auch immer. Menschen sind Menschen und brauchen Respekt! Wer keinen Respekt erfährt, wird leicht fanatisch und extremistisch und mitunter auch gewalttätig. Deswegen wollen solche extremen Parteien auch gerade dieses Gefühl in den Menschen hervorrufen: „Ihr werdet nicht respektiert! Ihr werdet beleidigt, bedroht und seid in Gefahr, verloren zu gehen. Wir ändern das! Aber wir brauchen Euch dazu!“ Die Feinde, ob nun die islamische, die jüdische, die christliche, die westliche oder sonst irgendeine Weltverschwörung, sind schnell ausgemacht und an den Pranger gestellt. Und einstige Kampfgefährten, die zu einer Konkurrenz geworden sind und sich nicht unterordnen wollen, werden gleichermaßen zu Feinden erklärt, heißen sie Trotzki, Röhm oder Gülen. Man verzeihe mir hinkende Vergleiche, aber es gibt eben nur Ähnlichkeiten, keine Wiederholungen in der Geschichte.  

Deswegen sagen wir im IFN: Nicht mit uns!

Wir lassen uns nicht auseinander dividieren und aufeinander hetzten! Wir sind eine Gesellschaft, die in sich pluralistisch ist und sein soll. Wir stehen zum Grundgesetz und zu den Menschenrechten. Wir respektieren einander in unseren Unterschieden und finden doch immer wieder genug Gemeinsamkeiten, um einander zu verstehen. Unser Demokratieverständnis umfasst auch den Schutz von Minderheiten. Die Schwachen brauchen die Starken, die Wenigen die Vielen. Ohne das funktioniert keine Demokratie, sondern wird zur Diktatur der Mehrheit.

Jetzt habe ich schon wieder mehr geschrieben als ich wollte, und es gibt noch den zweiten Teil:

2.
Rückmeldungen auf meine Frage vom letzten Rundbrief, ob der interrel. Rundbrief gefalle oder nicht und was zu verbessern wäre.
Es waren nicht viele, eigentlich nur vier, Rückmeldungen, und ich gebe sie hier mal der Reihe nach wieder:
2.1.
Ist ja super! Tolle Arbeit, ich wünsche mir Unterhaltung, Bildung, Informationen.
Eine Form von Magazin mit Tiefgang.
Vernetzung ist ein "artig Ding", ohne geht nichts mehr.
Grüsse
Marga

Rückfrage von mir:
Tja, und bietet der IRB das, was Du wünschst, liebe Marga?

Antwort:
Ich denke nach, bin gerade im Seminar. Bis jetzt war ich bestens informiert-bis bald
Marga

(Von Margarete Rettkowski-Felten, Künstlerin in Köln)

2.2.
Lieber Michael, -
dass es den Interreligiösen Rundbrief gibt, finde ich sehr gut. -
Da ich ja  meine mails  aus technischen Gründen auswärts empfange , kann ich selbst den Rundbrief  immer nur "überfliegen", bekomme so aber immer wieder mal  wertvolle Veranstaltungstipps. -
Herzlich
Jochen     -   die interkulturelle,  interkonfessionelle und interreligiöse Zusammenarbeit wird, meine ich, immer wichtiger, gerade weil die Tendenzen in der "Gegenrichtung " leider nicht schwächer werden, im Gegenteil, wie wir alle ständig und jetzt ganz aktuell mitbekommen...  –

(Jochen Bertram, regelmäßiger Teilnehmer beim interrel. Gesprächskreis in Bonn)

2.3.
well, i always enjoy reading your interreiligiöser rundbrief … but maybe that’s because, as a baha’i, i like to learn about other faiths in the same way i like, as a musician, to learn about other music and cultures.  your letter is a fine instrument in this direction and one of the few ecumenical offerings that actually takes my own religion seriously.

Ich übersetze mal:
Gut, ich genieße es immer, Deinen interreligiösen Rundbrief zu lesen. Aber vielleicht ist es auch, als ein Bahá’í liebe ich es über andere Glauben auf dieselbe Weise zu lernen wie als Musiker, etwas über andere Musik und Kulturen zu lernen. Dein Brief ist ein feines Instrument in dieser Richtung und eine der wenigen ökumenischen Angebote, die sogar meine eigene Religion ernst nehmen.

(Hugh Featherstone, englischer Musiker in Deutschland und Belgien, Sänger der Lokal Heroes in Bonn)

2.4.
Lieber Michael,
vielen Dank für den Rundbrief! Zu dessen Gestaltung kann ich leider nichts sagen, lese ich ihn doch zum ersten Mal!
Kleine Anmerkung zu dem Zitat "Ina Wunn. Patrick Urban Konstantin Klein...": Dazu bitte  lesen: "Der Appell des Dalai Lama an die Welt" (Ethik ist wichtiger als Religion), mit Franz Alt, 2015, Benevento, 4,99€.

Bis später mal, alles Gute und herzliche Grüße
Sabine v.K.
Bonn Buddhist Association
Bad Godesberg+++

(hat sich selbst vorgestellt)

Der Leser, der meine Frage ausgelöst hat, hat mir inzwischen mitgeteilt, dass der Rundbrief ihm eigentlich zu religiös sei oder zu wissenschaftlich oder einfach zu kompliziert und zu lang. Er ist aber, das muss ich zugeben, auch nur aufgrund seiner persönlichen Nähe zu mir im Verteiler, nicht aus eigenem Interesse. Ich habe aber eben den Anspruch, meine Ideen, An- und Einsichten weit zu streuen, da ich ja meine, da sie nicht ganz wertlos und unwichtig sind. Und immerhin sagte er nicht, ich solle ihn aus dem Verteiler nehmen!

Ich schaue mal, wie ich den Rundbrief noch anschaulicher gestalten kann, zum Beispiel mit einer Zusammenfassung am Anfang. Weiterhin habe ich ein offenes Ohr oder Auge für konstruktive Vorschläge.

Und noch ein Zitat:
Ein religiöser Mensch darf keine Ziele haben. Er muss absichtslos handeln.
Franz Meurer, röm.-kath. Priester in Köln[4]

Herzliche Grüße,
Ihr/Euer Michael A. Schmiedel

[1] 3 Zitate von Meister Eckhart. Die ersten beiden sind vor der Predigerkirche in Erfurt (www.predigerkirche.de) in den Boden gelassen, das dritte ist zitiert nach: Aphorismus, Zitate, Sprüche und Gedichte, www.aphorismen.de/zitat/16008 (geöffnet am 14.8.2016).
[2] Vgl. den Film Die Pest, die Angst und der Schatz von Erfurt von Gabriele Rose im MDR http://www.mdr.de/tv/programm/sendung671714_date-2016-08-07_ipgctx-true_zc-b376bd7b.html (geöffnet am 14.8.2016).
[3] So gehört in einer Nachrichtensendung im ARD oder ZDF im Rahmen der Berichterstattung über die Pro-Erdoğan-Demonstration in Köln am 31.7.2016.
[4] So gehört am 12.8.2016 vormittags in einer WDR-5-Radiosendung über die Bedeutung des Christentums in unserer Gesellschaft: http://www.deutschlandfunk.de/christlicher-glaube-welche-rolle-spielt-religion-heute.1176.de.html?dram:article_id=362666 (geöffnet am 1.9.2016). Wer Franz Meurer nicht kennt, lese den Wikipedia-Artikel über ihn https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Meurer (geöffnet am 14.8.2016)


Friday, June 24, 2016

Interreligiöser Rundbrief Nr. 2016-03



Interreligiöser Rundbrief für Bonn und Umgebung Nr. 2016-03 (24.06.2016)
„Warne … die Geliebten des einen wahren Gottes davor, die Reden und Schriften der Menschen mit einem zu kritischen Auge zu betrachten. Sie sollen sich diesen Reden und Schriften lieber im Geiste der Aufgeschlossenheit und liebevollen Wohlgesonnenheit zuwenden.“
Bahá‘u‘lláh[1]

Liebe Leser*innen,
neulich sagte mir ein mir sehr nahe stehender Empfänger der interreligiösen Rundbriefe, diese lese er gar nicht gerne, denn sie seien ihm zu wissenschaftlich. Das erinnert mich daran, dass ich in den 1990ern mal einen Artikel für die Lotusblätter, schrieb, wie die Zeitschrift der Deutschen Buddhistischen Union, die heutige Buddhismus aktuell, damals hieß und dazu zwei ganz unterschiedliche Rückmeldungen erhielt: Einer Leserin war er zu schwer verständlich, während ein Leser ihn als schön leicht verständlich beurteilte. Die Leserin hatte nun weder mit Religionswissenschaft, noch mit Buddhismus zu tun, während der Leser ein Religionswissenschaftler war. Insofern ist es natürlich leicht verständlich, wie es zu diesen unterschiedlichen Urteilen kam. Ich finde es aber auch sehr schwer, so zu schreiben, dass der Text weder zu wissenschaftlich, noch zu unwissenschaftlich wird, so dass ihn Fachleute und Nichtfachleute, die ja zumeist Fachleute auf anderen Gebieten sind, verstehen können und gerne lesen. Besagter Leser, dem meine Texte zu wissenschaftlich sind, schickt mir manchmal detaillierte technische Erklärungen zum Beispiel zu Fotoapparaten, dass ich nur so mit den Ohren schlackere.

Nun möchte ich Euch/Sie (ich bleibe künftig mal beim „Euch“ und „Ihr“), liebe Leser*innen, um Hilfe bitten, indem Ihr mir mitteilt, was Euch an den interreligiösen Rundbriefen gefällt und was nicht. Ich werde es nie allen recht machen können, denen, die am liebsten klare religiöse Bekenntnisse und Positionen, denen, die am liebsten beschauliche, spannende oder lustige Geschichten, denen, die am liebsten Daten und Fakten, denen, die am liebsten tiefgründige philosophische Reflexionen, denen, die am liebsten eine große wissenschaftliche Distanz zu religiösen Wahrheitsaussagen und denen, die sonst irgendwie speziell gestaltete Texte lesen möchten, aber ich kann zumindest darüber nachdenken und sehen, was sich machen lässt. Ansonsten bitte ich um eine Lektüre „im Geiste der Aufgeschlossenheit und liebevollen Wohlgesonnenheit“, wie es im oben angeführten Zitat empfohlen wird.

Mein Ziel ist es schon, nicht oberflächlich daher zu plätschern, sondern gründliches Nachdenken zu praktizieren, mein Fach, die Religionswissenschaft, mit einzubeziehen, aber die Grenzen zu Theologie und Philosophie als Orientierungswissenschaften auch hier und da zu überschreiten und dabei das alles so verständlich wie möglich zu schreiben. Mein Opa würde sagen: „Ich rede, wie mir der Schnabel gewachsen ist“, wobei er das auf Vallerer Platt, also der Vallendarer Version des Moselfränkischen zu sagen pflegte. Eigentlich tue ich nichts anderes, wenn ich schreibe, auch wenn mein Schnabel leider zu wenig moselfränkisch und zu sehr standarddeutsch gewachsen ist, aber das Wichtigste ist, verständlich zu sein, sonst kann ich auch für die Schublade schreiben. Ich bitte also um konstruktiv-kritische Rückmeldungen.     

Jetzt möchte ich mal von zwei erfreulichen Dingen berichten, also nicht von Terrorismus, Radikalismus und so weiter. Ich bin ja ein großer Freund von Vernetzungen, und von zwei neuen Netzwerken in Bonn darf ich erzählen, nämlich zum einen vom Interreligiösen Friedensnetzwerk Bonn und Region (IFN) und vom Netzwerk Buddhismus in Bonn.

Das Interreligiösen Friedensnetzwerk Bonn und Region (IFN) hat sich nach einiger Vorgeschichte am 7.3.2016 konstituiert. Die Idee geht auf das Jahr 2013 zurück, als im Rahmen der Bonner Buchmesse Migration ein interreligiöses Podiumsgespräch stattfand und gleichzeitig der Arbeitskreis Muslime und Christen im Bonner Norden (AK MuChri) sein zehnjähriges Bestehen feierte und nicht wenige Interessierte sich entscheiden mussten, wo sie denn hingehen sollten oder sich zeitlich auf beides aufteilten. Ich dachte mir, es sei doch besser, wenn die interreligiösen Akteure in Bonn voneinander wüssten, wann wer was vorhat, so dass man einen neuen Termin nicht auf den Tag legt, an dem mit gleicher Zielgruppe schon etwas stattfindet. Im Grunde war die Idee schon etwas älter, ich hatte sie 2012 schon mal im Bonner Institut für Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen (BIM) vorgestellt, aber nach diesem Erlebnis war die Dringlichkeit deutlich. Also versuchte ich, die interreligiös tätigen Organisationen davon zu überzeugen, sich miteinander zu vernetzen, damit Terminüberschneidungen künftig möglichst vermieden werden. Gedacht, getan – gewartet. Meine Idee stieß zunächst auf verhaltendes Gegeninteresse, ich wartete auf eine Einladung, sie vorstellen zu können, und so verging nochmal über ein Jahr, ohne dass sich was tat. Anfang 2015 kam David Clement auf mich zu. Er ist auch Religionswissenschaftler, sowie Pädagoge und Gründungsmitglied des ANQA – Vereins für Transkulturelle Bildung e.V. Er hatte unabhängig von mir eine ganz ähnliche Idee, dachte aber nicht nur an eine Vermeidung von Terminüberschneidungen, sondern durchaus an eine engere Zusammenarbeit der interreligiösen Akteure. Also trafen wir uns zusammen mit Hossein Pur-Khassalian, Aziz Fooladvand und Gregor Sattler, besprachen die Idee weiter und beschlossen, auf keine Einladung mehr zu warten, sondern unsererseits einzuladen. Und siehe da: Am 6.3.2016 kamen Vetreter*innen von 17 interreligiös tätigen Initiativen und Organisationen oder ließen sich zumindest entschuldigen, zeigten aber Interesse. Ein zuvor geschriebenes Leitbild wurde besprochen und in den anschließenden Wochen noch überarbeitet und per E-Mail diskutiert. Letztlich waren es doch noch nicht alle 17, aber immerhin 14, die das Leitbild unterzeichneten. Die anderen drei sind noch in internen Beratungen. David Clement hatte auch ein Content-Management-System aufgetan, mit dem wir ohne großen Aufwand eine Internetseite kreieren und ins Netz stellen konnten. Und so ist die Idee eines Netzwerkes der interreligiösen Akteure in Bonn und Umgebung endlich realisiert. Weitere Informationen entnehmt bitte der Website http://ifn-bonnregion.jimdo.com/ und/oder kommt zu unserem Vorstellungstermin am 29.9.2016, um 19 Uhr im MIGRApolis-Haus der Vielfalt in Bonn.

Das Netzwerk Buddhismus in Bonn hat eine viel längere Vorgeschichte. Im Jahr 2000 stellte ich meine Magisterarbeit „Buddhismus in Bonn. Empirische Studie über buddhistisch orientierte Gemeinschaften in Bonn“ fertig und hatte dabei die Idee, einmal Vertreter*innen aller in der Studie erforschten 14 Gemeinschaften zu einem Treffen einzuladen. Das tat ich dann auch am 27.9.1999 im damaligen Shambhala-Zentrum. Es leisteten aber nur sieben Gruppen der Einladung folge, deren eine, die Zen-Gruppe, in der ich damals selber praktizierte, ich sogar selbst vertrat, weil sich sonst niemand dafür interessierte. Das Treffen war nett und interessant, aber weiteres ergab sich daraus nicht. Werner Wiegmann startete dann auch zweimal einen ähnlichen Versuch ohne bleibende Folgen. 2014 kam Barbelies Wiegmann, Zen-Praktizierende in der Gruppe ihres Mannes Werner Wiegmann, auf mich zu und fragte, ob ich noch Adressen von meiner Magisterarbeit hätte und sie dabei unterstützen würde, einmal Vertreter*innen aller buddhistischen Gruppen einzuladen, um diese miteinander bekannt zu machen und zu vernetzen. Da war ich sofort dabei, gab ihr die Adressen, wir recherchierten nach Adressen neu hinzu gekommener Gruppen, derweil es auch einige der damaligen nicht mehr gibt, und die Einladung ging raus. Und tatsächlich kamen Mitglieder von elf Gruppen am 9.4.2016 im MIGRApolis-Haus zusammen. Einige kannten einander, andere waren sich fremd, einige schienen einander sogar exotisch zu sein, was angesichts der Vielfalt der Traditionsanbindungen und Praktiken auch kein Wunder ist. Theravada-, Zen-, Nichiren- und Vajrayana-Buddhismus haben bisweilen nur den Bezug zum historischen Buddha Siddhartha Gautama gemeinsam, interpretieren diesen aber recht unterschiedlich. Aber die Chemie stimmte, man interessierte sich für einander und begeisterte sich für Barbelies Wiegmanns Idee, den Buddhismus gemeinsam in der Bundesstadt präsenter und bekannter zu machen. Verabredet wurde ein gemeinsamer Web-Auftritt, den ich inzwischen auf MIGRApolis realisiert habe (http://www.migrapolis-deutschland.de/index.php?id=2795&L=%25252523c2294), Filmabende in Kinos mit buddhistischen Filmen und 2017 eine gemeinsame Vesakh-Feier oder ein Sommerfest. Das Netzwerk hat übrigens noch gar keinen offiziell vereinbarten Namen, so dass Netzwerk Buddhismus in Bonn quasi ein Arbeitstitel ist, der sich auch noch ändern kann.

Manche Dinge brauchen eben einen längeren Vorlauf und einen langen Atem und demzufolge die richtige Mischung aus Zielstrebigkeit und Gleichmut, dann kann was aus ihnen werden!       

Diese beiden Geschichten sollen einmal zeigen, dass Religionen und religiöse oder spirituelle Menschen nicht nur Grund zu Sorge bieten, dass von Ihnen nicht nur Rechthaberei und Feindschaft ausgehen, wie die Nachrichten einen manchmal glauben lassen, sondern dass sie auch aufeinander zugehen, einander respektieren und gemeinsam auf friedlichem Wege Gesellschaft mitgestalten können. Was aus den beiden Netzwerken in Zukunft wird, wird sich zeigen. Es hängt von uns ab, den Mitgliedern der Netzwerke, aber auch allen anderen Menschen in unserer gemeinsamen Gesellschaft.
 

Vor dem Abschlusszitat habe ich noch eine Nachricht: Dr. Hıdır Çelik bekam am 22.6.2016 das Bundesverdienstkreuz am Bande überreicht. Mehr dazu hier: http://www.migrapolis-deutschland.de/index.php?id=2796  Ich gratuliere von Herzen!


Und noch ein Zitat:
„Religion, egal welcher Couleur, ist ein Auslaufmodell – da war sich das 20. Jahrhundert ganz sicher. Vor allem der Fortschritt der Naturwissenschaften mit der Evolutionsbiologie an vorderster Stelle hatte Gott nicht nur entthront und obsolet gemacht, sondern ließ Religion als geradezu unsinnig erscheinen. Nicht anders dachten die Sozialwissenschaften, die davon ausgingen, dass Religion sich gegenüber der Wissenschaft nicht würde behaupten können und daher über kurz oder lang bis zur Bedeutungslosigkeit verblassen würde. Die tatsächlichen Entwicklungen gerade in den letzten Jahrzehnten zeigte jedoch völlig überraschend, dass Religion eine Renaissance erlebte und zu einem entscheidenden sozialen und politischen Faktor wurde, und dies allen modernen Erkenntnisfortschritten und allen rationalen Argumenten der Religionskritik zum Trotz.“[2]

In diesem Sinne, lasst uns zukunfts- und transzendenzoffen bleiben!

Herzliche Grüße aus Siegburg am Johannistag 2016.
Euer Michael A. Schmiedel


[1] Bahá’u’lláh. Ährenlese 34:6, hier zitiert nach: Internationale Bahá’í-Gemeinde. Büro für Öffentlichkeitsarbeit. New York. Bahá’u’lláh. Eine Einführung. Hofheim-Langenhain (Bahá’í-Verlag), 4. Aufl. 1997, S. 43.
2 Ina Wunn. Patrick Urban Constantin Klein. Gott Gene Genesis. Die Biologie der Religionsentstehung. Berlin Heidelberg (Springer) 2015, S. V.

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heutige Musikempfehlungen:
Nolwenn Leroy chante le Bro gozh ma zadoù au stade de France avant la finale Rennes-Guinguamp
https://www.youtube.com/watch?v=DzckoZ3v_gQ
Flook & Crosswind - 'Branohm / Trip To Herve's'
https://www.youtube.com/watch?v=2YGOZYN015Q
OUM TARAGALTE - (Soul Of Morocco) Official Video
https://www.youtube.com/watch?v=297klwcKKmI



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Dr. Michael A. Schmiedel
Altere Texte (Auswahl):






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Lust auf mehr Musik?
Samy Deluxe - Haus am Mehr
https://www.youtube.com/watch?v=Ws--wNaa-NQ 
Cassard - Wie schön blüht uns der Maien
https://www.youtube.com/watch?v=f49Dqye9RoU
Hüsch! - Songs Of Heimat

https://www.youtube.com/watch?v=DfZYoRaAO_s
Hot Griselda - The Empress' new clothes

https://www.youtube.com/watch?v=2JLlf2PvqJA
Akkordeonale 2016
http://www.akkordeonale.de/programm/programm-2016/
Marcel Adam - De Oschderhaas
https://www.youtube.com/watch?v=e5nn_ocah30
L'alba - " sta mane "
https://www.youtube.com/watch?v=E9Ote3hejqU
Lisa Jên (9Bach) - Lliwiau
https://www.youtube.com/watch?v=vA6kqH-bTuE
Blowzabella - recording in France 2013
https://www.youtube.com/watch?v=YhfrhJWR_AE
Irish Spring 2016 - Festival of Irish Folk Music TOUR – Preview
https://www.youtube.com/watch?v=zWZck_s1I4E






[1] Bahá’u’llah. Ährenlese 34:6, hier zitiert nach: Internationale Bahá’í-Gemeinde. Büro für Öffentlichkeitsarbeit. New York. Bahá’u’lláh. Eine Einführung. Hofheim-Langenhain (Bahá’í-Verlag), 4. Aufl. 1997, S. 43.
[2] Ina Wunn. Patrick Urban Constantin Klein. Gott Gene Genesis. Die Biologie der Religionsentstehung. Berlin Heidelberg (Springer) 2015, S. V.